Benehmen auf dem Stellplatz

Benehmen auf dem Stellplatz ist ganz einfach, wenn man diese Regeln beachtet:

Ankunft:

Haben Sie Kinder oder Hunde dabei, sollten sich diese zunächst erst einmal tüchtig austoben. Während die Kinder den Fußball gegen andere Reisemobile donnern, läuft der Hund frei herum, damit der sich nach der langen Fahrt zwischendurch erleichtern kann. Sollte es vorkommen, dass der Stellplatzbetreiber ihnen keinen Platz in der ersten Reihe zuweist, was eigentlich selbstverständlich wäre, und sie somit 20 Meter weiter laufen müssen, so tragen sie es mit Fassung!

Einrichten auf dem Stellplatz:

Wenn das Reisemobil unter lauten Einweisungsrufen der Beifahrerin nach mehrfachen versuchen mit qualmenden Motor auf die Keile gefahren ist, kommt das übliche Procedere – bitte möglichst nach 22:00 Uhr, das spart mindestens eine Stellplatzgebühr: Markise ausrichten mit klappernden Gestänge, Heckgarage (Motorroller, Fahrräder, Vorzeltteppich, Campingmöbel) leer räumen während die Hausfrau den Staubsauger betätigt. Polster und Teppich ausklopfen nicht vergessen! Zwischendurch sollten sie immer wieder schwungvoll die Fahrerhaustüren zuwerfen, damit die Nachbarn von ihrer Ankunft wissen. Die Fahrräder werden zufällig auf den Rand des freien Stellplatzes nebenan gestellt, sonst könnte ja ein weiteres Reisemobil die Sicht behindern.

Vergessen sie nicht den Akkuschrauber, eine nützlich Hilfe die Stützen auszufahren. Aufgeweckte Reisemobilisten bohren mittels Akkuschrauber die Löcher für die Heringe vor. Bei dem Abspannen von Markisen unbedingt darauf achten, dass die Heringe mindestens 15 cm raus gucken und das möglichst am Rande vom Geh- oder Fahrweg, es hat ja niemand was auf ihrer Parzelle zu suchen! Falls mal einer stolpert, was soll es, der verirrt sich nicht mehr hier hin. Denn nichts hasst der Edelcamper so sehr wie Grenzüberschreitungen! Sollte jemand doch des Nachts eine Abkürzung wählen, so wird er sich diesen Fehltritt nur einmal begehen.

Fernsehen:

Der beste Fernsehempfang ist leider fast immer dort, wo sie gerade nicht stehen. Fragen sie also ruhig ihren Stellplatznachbarn, ob sie nicht die Satellitenschüssel samt Dreibein auf seinen Stellplatz stellen dürfen. Die Ausrichtung der Satellitenschüssel wird erheblich erleichtert, wenn sich alle Familienmitglieder daran beteiligen. Laute, gut verständliche Kommandos und Zurufe wie: mach mal wie eben, fast gut, zurück, neeee ist Schnee, kein Signal... können über mehrere Familienmitglieder besser übermittelt werden.

Patriotismus:

Der echte Patriot hat immer eine bundesdeutsche Flagge dabei und hisst diese am eigens mitgeführtem Mast. Vorgeschriebene Masthöhe: Nicht unter 4 Meter! Wollen sie sich aus der beschränkten Masse der Patrioten hervorheben, hissen sie zusätzlich noch die entsprechende Flagge ihres Bundeslandes, ihres Automobilherstellers, ihres Fußballclubs sowie den wunderschönen Wimpel ihres Kleintier-Zuchtvereins. Die Bewunderung ihrer Stellplatznachbarn insbesondere im Ausland ist ihnen sicher!

Umweltschutz:

Als eifriges Mitglied der Aktion Krombacher-rettet-den-Regenwald stapeln sie voller Stolz die mitgeführten Arbeitsutensilien (Bierkästen) sichtbar vor ihr Reisemobil. Ganz nebenbei erklären sie den staunenden Nachbarn die Vorzüge ihres Reisemobils in Bezug auf Ladekapazität, des Aufbaus und Fahrgestell. Natürlich weisen sie auf ihre jahrelange Erfahrung hin und lassen Ihre Überlegenheit erkennen. Nach stundenlangem Arbeitseinsatz zur Rettung des Regenwaldes, selbstverständlich mit gesanglicher Unterstützung, präsentieren sie das Ergebnis: Alle geleerten Flaschen sind in Reih und Glied zu kunstvollen Figuren plaziert. Bei längerem Aufenthalt ist ein zweifacher Flaschenkreis um das Wohnmobil einfach Pflicht für jeden ernsthaften Naturschützer!

Mit den Erdölreserven sollte man tunlichst sparsam umgehen. Deshalb verbietet es sich natürlich quietschende Fahrrad-, Dreirad- oder Buggy-Räder womöglich mit Schmieröl zu benetzen, schließlich könnte ja auch ein Tröpfchen daneben gehen und den gepflegten Rasen des Stellplatzes zu verschmutzen.

Strom:

Wird auf Stellplätzen der Strom pauschal abgerechnet, grillt man elektrisch und verwendet zum Heizen einen großvolumigen Heizlüfter. Bei gleichzeitiger Nutzung der Geräte kann man die Stromverkabelung auf mehrere Stromkästen verteilen. Sollten alle Stromanschlüsse besetzt sein, wird es gerne gesehen, wenn man einfach mit dem mitgebrachten Mehrfachstecker den Strom beim Nachbar anzapft. Gehen sie dabei wie folgt vor, ignorieren Sie zunächst die Nummerierungen an den Verteilerkästen. Wählen sie einfach immer nur den kürzesten Weg zu Ihrer Fahrzeugsteckdose, der Nachkommende auf dessen Platznummer sie eingesteckt haben, soll es dann halt genauso machen. Oft ist auch gerade gegenüber über des Weges sogar die kürzeste Entfernung zu finden. Keine Sorge, wenn da mal einer darüber fahren muss. Das hält jedes Baumarkt-Kabel ohne weiteres aus. Ärgerlich nur, wenn so ein Fußgänger mit seinen offenen Sandalen mal hängen bleibt. Aber dann ziehen Sie das Kabel einfach wieder kurz gerade und sagen demjenigen, er soll beim nächsten Mal besser aufpassen. Sieht man doch, dass da ein Kabel liegt, deswegen ist das extra knallrot oder grellgelb. Sollte dann doch mal jemand Sie genötigt haben, gefälligst die zu Ihrer Stellplatznummer gehörende Steckdose zu nehmen, verpassen Sie dem Nörgler bei der Abreise einen Denkzettel, indem sie seinem Anschluss raus ziehen oder sein Adapterkabel mitgehen lassen. Soviel Erziehung muss ein.

Frischwasser:

Nehmen sie unbedingt einen 50 m Schlauch mit. Falls die Wasserentnahme 50 Cent kosten sollte, einfach irgendeinen Anschluss im oft vorhandenen Waschhäuschen der campingplatzähnlichen Stellplätze nutzen. Zur Not den Anschluss vom Wasserhahn nehmen und schon hat der sparsame Reisemobilst wieder viel Geld gespart. Die Frischwasseranschlüsse, auch an der Entsorgungsanlagen, eignen sich auch hervorragend zum Reinigen der Campingtoilette, wobei darauf zu achten ist, dass aus Reinlichkeitsgründen der Frischwasserschlauch möglichst tief in die Öffnung der Kassette gesteckt wird, damit man sich nicht nass spritzt. Auch kann man dort hervorragend sein Mobil waschen.

Abwasser:

Hier hat sich der Eimer mit Loch bewährt, den man diskret unter das Abflussrohr stellt. Noch einfacher geht es, wenn man in der Nacht den Abwasserhahn mal eben öffnet. Hier bietet sich an, das jeden Abend zu machen, damit das Wasser schneller versickern kann.

Abfallentsorgung:

Sollten keine Container zur Verfügung stehen, finden sich oft in der Nähe Papierkörbe (Parkanlagen), die man mit den Abfalltüten füllen kann. Sollte diese überfüllt sein, dann wird die Abfalltüte ordentlich zusammen geknotet und daneben gelegt.

Radio und Fernseher:

Ein Radio brauchen sie in der Regel nicht mitnehmen. Auf vielen Stellplätzen ist der Empfang verschiedenster Sender durch die Nachbarn ohne Radio gesichert. Ihren neuen Weltempfänger testen sie am besten im Freien, damit alle Nachbarn das neue Gerät und dessen tollen Klang bewundern können. Das gilt auch für den draußen aufgestellten Fernseher, Fußballübertragungen begleiten sie mit deutlichen Anfeuerungsrufen und lauten Tooor, Tooooor, rufen.

Wenn es Sanitäreinrichtungen gibt:

Falls sie Duschgel und Shampoo vergessen haben sollten, eine Besichtigungstour der leeren Duschkabinen ist oft mit Erfolg gekrönt. Meistens steht dort eine größere Auswahl herum. Toilettenpapier kann man wunderbar einsparen, auf der Stellplatztoilette gibt es oft jede Menge umsonst. Nach drei Wochen Urlaub mit täglicher Sitzung, sollten sie für die nächsten 3 Monate zu Hause ausgesorgt haben!

Kochen/Essen:

Wenn Sie Ihre frisch gekochten Nudeln durch das Nudelsieb abgießen wollen, tun sie das um Gottes Willen nicht in der eigenen Spüle oder laufen gar zur unzumutbar weit entfernten Entsorgungsanlage. Dem nächst gelegenen Baum oder Strauch ist es schließlich egal, ob er kochendes und gesalzenes Wasser bekommt. Hauptsache er bekommt was! Wenn sie bei beginnender Dunkelheit ihre Essensreste hinter ihren Reisemobil deponieren, sind diese am nächsten Tag verschwunden und müssen nicht mehr umständlich entsorgt werden. Sie glauben gar nicht, wie viele Tiere Nachts Hunger haben! Gönnen sie sich bei der Verpflegung während einer dreiwöchigen Auslandsreise auch mal ab und zu mal etwas Gutes, man hat ja schließlich Urlaub! Abwechslung muss sein, Sonntags zum Beispiel mal eine Dose von Lidl statt immer nur Aldi!

Kleiderordnung:

Das ärmellose Feinripphemd, natürlich von Schiesser, ist für Männer obligatorisch. Nur zu übertreffen durch den nackten Oberkörper mit Bierbauch im Sommer oder bei der Arbeit am Motorroller mit Bierflasche. In der gemütlichen Abendrunde am Holzkohlegrill, damit die Nachbarn auch was davon haben, ist der Jogginganzug für Herren und Damen Pflicht.

Die Kleinkinder können natürlich hüllenlos bis 1 Uhr nachts rumtoben, das spart die Pampers. Zum abendlichen Restaurantbesuch sollte man unbedingt die weißen Socken gegen die "edlen" grauen in den braunen Sandalen tauschen, denn die passen auch besser zum Muskelshirt. Falls sie folgendes Hinweisschild sehen – üblich in Restaurants der gehobenen Esskultur einfach ignorieren: NO SHIRTS, NO SHOES, NO SERVICE!

Die am Strand gekaufte Goldkette trägt man natürlich darüber, so dass selbst die Einheimischen nicht übersehen können, welch hohe Kultur sie jahrelang verpasst haben. Im Urlaub sollte sich dieser Kleiderordnung wirklich kein vernünftiger Reisemobilst entziehen.

Ältere Mitcamper:

Halten sie ihre Kinder dazu an, der älteren Dame die Toilettenkassette tragen zu helfen. Auch dann, wenn sie gerade beim Frühstück sitzen.

Hunde:

Leinen sie ihren Hund ruhig unbeaufsichtigt vor dem Reisemobil an. Das ständige Bellen zeigt ihnen an, dass der Hund nicht weggelaufen ist. Lassen sie ihren Hund ruhig am Strand frei laufen. Die Strandbesucher gewöhnen sich schneller an Hunde und haben keine Angst mehr. Können Sie es nicht über Ihr Herz bringen, ihren Liebling anzuleinen, und ihm deshalb freilaufend seinen Aufenthalt auf dem Stellplatz gönnen, sollten Sie folgende Zurufe ständig parat haben: "Der macht nix, der will nur spielen!" folgen daraufhin aber irgendwelche Hilferufe, sollten Sie schnell mit "Das hat er wirklich noch nie gemacht" reagieren können.

Abreise:

Beim Einpacken unbedingt darauf achten die Funktionsfähigkeit der Fahrerhaustüren und der Heckklappe regelmäßig zu testen. Es empfiehlt sich, diesen Test nach jedem eingeräumten Gegenstand durchzuführen. Damit zeigen sie auch ihren Nachbarn, wie qualitativ hochwertig die Türen ihres Fahrzeuges sind! Selbst nach 20mal Öffnen und Schließen funktionieren diese noch anstandslos.

Im Winter vor dem Abfahren den Wagen immer mindestens 10 Minuten warmlaufen lassen, im Sommer natürlich auch, damit die Klimaanlage schon mal anläuft. Dabei möglichst viel Lärm erzeugen, damit von den Nachbarn auch niemand zum Langschläfer wird.

Fahren sie ihr Fahrzeug an die Entsorgungsstation und lassen sie dabei ihren Dieselmotor laufen. Kopfschüttelnde Gäste können sie bei dieser Gelegenheit auf die hervorragende Laufruhe, sowie die vorhandene Abgasnorm Euro 4 oder 5 verweisen. Bleiben sie gelassen und warten ab, bis der letzte Tropfen aus dem Abwassertank gelaufen ist, erst dann wird die Kassettentoilette entleert und intensiv gesäubert, bis sie sich als Frischwassertank eignet. Nutzen sie die Gelegenheit anschließend gründlich die Windschutzscheibe zu säubern, das sind sie der Verkehrssicherheit schuldig.

Beim Besteigen ihres Mobils freuen sie sich darüber, wie lang die Schlange der ebenfalls Abreisewilligen geworden ist. In wohliger Eingenommenheit von sich selbst bewundern sie ihre seltene Gabe, anderen Reisemobilsten eine Lektion in Geduld und Toleranz geben zu können. Haben sie doch dafür gesorgt, das andere Reisemobilfreunde sich in aller Ruhe und Gelassenheit noch von der Schönheit des Stellplatzes überzeugen konnten.

Nun prüfen sie noch gewissenhaft die Funktionstüchtigkeit ihrer Stopplichter, Blinker und sonstigen Lampen und Scheinwerfer, sammeln ihre Frau ein, steigen schnell noch mal aus, um zu prüfen, ob die Klappen auch wirklich geschlossen sind und schon geht es mit lustigem Winken und beifälligem Hupen der Warteschlange auf den Heimweg.

Zu Hause angekommen, setzen sie sich unverzüglich an den Computer und warnen in ihrem bevorzugten Reisemobilforum die lieben Freunde über die unzumutbaren Zustände auf dem Stellplatz und vor dem unfreundlichen Stellplatzbetreiber. Vergessen sie nicht zu erwähnen, dass bei der Abreise stets mit ellenlangen Warteschlangen zu rechnen sei!

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig! Oder hat das schon jemand so beobachtet?

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